Wer bereits eine Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach hat, kennt das Gefühl: Im Juli produziert die Anlage mehr Strom als man verbrauchen kann, im Dezember läuft kaum etwas. Das ist kein Zufall — es ist Physik. Die Frage ist, was man dagegen tun kann.
Eine Kleinwindanlage ist die offensichtlichste Antwort. Doch lohnt sich die Kombination wirklich? Und was muss man beachten, wenn man Wind zu einer bestehenden Solaranlage nachrüstet?
Das Komplementaritätsprinzip: Warum Wind und Solar zusammenpassen
Solar und Wind folgen entgegengesetzten saisonalen Mustern — und das ist genau der Punkt. In Deutschland gilt grob:
- April bis September: PV auf Hochleistung, Wind eher moderat
- Oktober bis März: PV fast still, Windproduktion deutlich höher
Das ist keine Vermutung — es ist in den deutschen Windstatistiken seit Jahrzehnten belegt. Die mittlere Windgeschwindigkeit in Deutschland ist im Winter rund 20–30% höher als im Sommer. Gleichzeitig sinkt die solare Einstrahlung auf etwa 15–20% des Sommerwertes.
💡 Die Kernbotschaft: Ein Betrieb mit PV-Anlage und Kleinwindanlage kann ganzjährig einen hohen Eigenverbrauchsanteil erzielen — statt saisonale Ertragslücken mit teurem Netzstrom zu überbrücken.
Was Zahlen sagen: Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir einen Landwirtschaftsbetrieb in Niedersachsen mit folgender Ausgangslage:
Ausgangssituation
Wird nun eine 10 kW Kleinwindanlage hinzugefügt (Standort: 5,0 m/s mittlere Windgeschwindigkeit):
Nach Nachrüstung mit 10 kW Wind
Bei einer Investition von ~45.000 € (10 kW inkl. Mast und Installation) und BMLEH-Förderung von 50% ergibt sich ein Eigenanteil von ~22.500 €. Amortisationszeit: ca. 7 Jahre. Nicht schlecht für ein System, das 20–25 Jahre läuft.
Der Eigenverbrauch ist der entscheidende Hebel
Hier liegt der wichtigste konzeptionelle Punkt, den viele missverstehen. Die Einspeisevergütung für Windstrom beträgt derzeit nur etwa 7,4 ct/kWh — weit unter den 20–26 ct/kWh, die Industrie- und Gewerbebetriebe für Netzstrom zahlen.
Das bedeutet: Jede kWh, die Sie selbst verbrauchen, ist fast dreimal so wertvoll wie jede kWh, die Sie einspeisen. Und genau hier schlägt die Solar-Wind-Kombination zu: Wer ganzjährig hohen Verbrauch hat und beide Quellen nutzt, kann seine Eigenverbrauchsquote dramatisch erhöhen.
Technische Aspekte der Nachrüstung
Netzanschluss und Wechselrichter
Moderne Kleinwindanlagen mit Synchrongenerator und eigenem Wechselrichter können problemlos parallel zu bestehenden PV-Systemen betrieben werden. Beide Anlagen speisen unabhängig voneinander in den Hausanschluss. Ein Umbau des PV-Wechselrichters ist in der Regel nicht nötig.
ZEREZ-Anmeldung
Seit 2025 müssen alle Erzeugungsanlagen in Deutschland im Marktstammdatenregister (MaStR) und mit einer ZEREZ-Einheitenzertifikats-ID registriert werden. Das gilt auch für Bestandsanlagen. Ihr Installationsbetrieb kümmert sich in der Regel darum — stellen Sie sicher, dass Ihre Windanlage bereits eine entsprechende Zertifizierung (IEC 61400-2) mitbringt.
Speicher: Sinnvoll oder nicht?
Ein Batteriespeicher macht die Kombination noch effektiver, ist aber nicht zwingend notwendig. Für Betriebe mit 24/7-Grundlast (Kühlung, Stallanlagen) ist der direkte Eigenverbrauch bereits hoch genug, dass ein Speicher kaum Zusatznutzen bringt. Für Betriebe mit stärkeren Tageslast-Schwankungen kann ein Speicher die Eigenverbrauchsquote von 60% auf 80–90% heben.
Für wen lohnt sich die Kombination am meisten?
- Landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung: 24/7-Grundlast, Außenbereich, BMLEH-Förderung → ideale Kombination
- Produzierendes Gewerbe mit Schichtbetrieb: hohe Grundlast auch nachts und im Winter
- Gewerbebetriebe mit großen Kühlanlagen (Lebensmittelhandel, Logistik)
- Campingplätze, Freizeitanlagen mit saisonaler Last, die gut zur PV-Produktion passt
Weniger sinnvoll ist die Kombination für reine Bürogebäude mit ausschließlicher Tagesnutzung oder für Standorte mit unterdurchschnittlichem Windpotenzial (unter 4 m/s mittlere Windgeschwindigkeit).
🎯 Fazit: Die Solar-Wind-Kombination ist für Betriebe mit hohem Grundlastverbrauch eine der wirtschaftlich attraktivsten Investitionen im Bereich der erneuerbaren Eigenversorgung. Der Schlüssel ist nicht die Einzelanlage — sondern das System.
Haben Sie bereits eine PV-Anlage und möchten wissen, ob sich Wind als Ergänzung für Ihren Betrieb rechnet? Nutzen Sie unseren ROI-Rechner für eine erste Einschätzung — oder kontaktieren Sie uns direkt für eine standortspezifische Analyse.