„Lohnt sich das für mich?" — das ist die entscheidende Frage, bevor man ernsthaft über eine Kleinwindanlage nachdenkt. Viele Anbieter beantworten sie mit optimistischen Hochrechnungen und Prospektversprechen. Wir glauben, dass Sie eine ehrliche, auf Ihre Situation zugeschnittene Antwort verdienen. Dafür haben wir den WindProfit ROI-Rechner entwickelt.
Dieser Artikel erklärt, wie der Rechner funktioniert, welche Eingaben er benötigt, was die Ergebnisse bedeuten — und wo die Grenzen einer solchen Online-Berechnung liegen.
Was berechnet der ROI-Rechner?
ROI steht für „Return on Investment" — auf Deutsch: die Rentabilität einer Investition. Der Rechner ermittelt für eine Kleinwindanlage an Ihrem Standort vier Kerngrößen:
Berechnete Kennzahlen im Überblick
Außerdem zeigt der Rechner ein monatliches Solar-Wind-Synergiediagramm — das ist besonders relevant, wenn Sie bereits eine Solaranlage betreiben. Es macht sichtbar, wie Wind die saisonale Winterlücke der Photovoltaik schließt.
Schritt für Schritt: So nutzen Sie den Rechner
-
1Postleitzahl eingeben Der Rechner ermittelt daraus das regionale Windpotenzial und das Bundesland. Die Windgeschwindigkeit ist die wichtigste Variable — sie geht kubisch in den Ertrag ein. Das heißt: eine 10% höhere Windgeschwindigkeit bedeutet ca. 33% mehr Ertrag.
-
2Betriebstyp wählen Landwirtschaft oder Gewerbe. Dies beeinflusst den angesetzten Strompreis: Landwirte zahlen derzeit ca. 22–26 ct/kWh, Gewerbebetriebe 20–24 ct/kWh.
-
3Masthöhe einstellen Der Rechner berücksichtigt den Wind-Höhenprofil-Effekt: In größerer Höhe weht der Wind stärker. Eine Anlage auf 30 m Mast produziert deutlich mehr als dieselbe Anlage auf 15 m — oft 20–40% mehr Ertrag.
-
4Anlagengröße wählen Von 3 kW (Einstieg) bis 50 kW (Großgewerbe). Die Investitionskosten und der Ertrag skalieren nicht linear: Größere Anlagen sind pro kW günstiger, aber der Standort muss dazu passen.
-
5Eigenverbrauchsquote einstellen Das ist der entscheidende wirtschaftliche Hebel. Strom, den Sie selbst verbrauchen, ersetzt teuren Netzbezug (30–40 ct/kWh). Strom, der ins Netz eingespeist wird, bringt nur ca. 9 ct/kWh. Eine hohe Eigenverbrauchsquote — typisch für Tierhaltung oder 24/7-Produktion — verkürzt die Amortisationszeit erheblich.
💡 Der wichtigste Hebel: Eigenverbrauchsquote und Windgeschwindigkeit haben den größten Einfluss auf das Ergebnis. Eine Anlage mit 80% Eigenverbrauch an einem 5,0 m/s-Standort amortisiert sich oft doppelt so schnell wie dieselbe Anlage mit 30% Eigenverbrauch an demselben Standort.
Was steckt hinter den Berechnungen?
Der Rechner arbeitet mit der Weibull-Verteilung zur Modellierung des Winddargebots und einem vereinfachten Leistungsbeiwert (Betz-Limit) für die Ertragsberechnung. Die PLZ-basierten Windgeschwindigkeiten stammen aus dem Deutschen Wetterdienst und dem Global Wind Atlas. Die Hochrechnung auf Nabenhöhe erfolgt nach dem logarithmischen Höhenprofil-Gesetz (Power Law, α = 0,14).
Für die Wirtschaftlichkeit werden folgende Annahmen getroffen, die Sie kennen sollten:
- Strompreisanstieg: 2% pro Jahr (konservative Annahme)
- Wartungskosten: ca. 2% der Investitionssumme pro Jahr
- Technische Lebensdauer: 20 Jahre
- Kein Inflationsabzug auf die Investition (Nominalrechnung)
- Keine steuerliche Optimierung eingerechnet (AfA, Vorsteuer)
⚠️ Wichtig zu wissen: Der Rechner ist eine Orientierungshilfe, kein Gutachten. Die tatsächlichen Erträge hängen vom konkreten Windprofil Ihres Standorts ab — nicht vom regionalen Durchschnittswert. Für eine Investition ab ca. 30.000 € empfehlen wir eine professionelle Windmessung oder ein Standortgutachten.
Ein Rechenbeispiel: Milchviehbetrieb in Niedersachsen
Um die Ergebnisse greifbarer zu machen, ein konkretes Beispiel:
Beispielrechnung: 30 kW Anlage, PLZ 26789 (Leer, Niedersachsen)
Mit BMLEH-Förderung (50% Zuschuss für Landwirte) würde die Amortisationszeit in diesem Beispiel auf ca. 4 Jahre sinken — was die Anlage zu einer ausgezeichneten Investition macht. Der Fördermittel-Finder zeigt Ihnen, welche Programme für Ihren Betrieb gelten.
📊 Jetzt Ihre eigene Anlage berechnen
Geben Sie Ihre PLZ ein und sehen Sie in 2 Minuten, ob sich eine Kleinwindanlage für Ihren Betrieb rechnet.
Zum kostenlosen ROI-Rechner →Häufige Fragen zum Rechner
Warum weicht das Ergebnis vom Angebot eines Herstellers ab?
Hersteller rechnen oft mit optimistischen Windannahmen (z.B. Nennleistung bei 12 m/s, obwohl der Jahresschnitt 4,5 m/s beträgt) und hohen Eigenverbrauchsquoten. Unser Rechner arbeitet mit konservativen, standortbasierten Werten. Wenn unsere Rechnung deutlich schlechter aussieht als das Angebot, ist das ein Warnsignal.
Kann ich den Rechner für einen konkreten Förderantrag verwenden?
Nein — dafür ist eine offizielle Wirtschaftlichkeitsberechnung durch einen zertifizierten Energieberater erforderlich. Der Rechner dient der ersten Orientierung, nicht als Antragsdokument. Für den BMLEH-Antrag ist ein CO₂-Einsparkonzept eines zugelassenen Sachverständigen nötig.
Was bedeuten die Stromgestehungskosten?
Die Stromgestehungskosten (auch LCOE — Levelized Cost of Energy) geben an, was eine selbst erzeugte Kilowattstunde Windstrom über die gesamte Lebensdauer der Anlage kostet. Liegt dieser Wert unter dem aktuellen Netzstrompreis, produzieren Sie günstig. Typische Werte bei guten Standorten: 8–15 ct/kWh — deutlich günstiger als Netzstrom.