Die mittlere Windgeschwindigkeit ist die wichtigste Eingangsgröße für jede Wirtschaftlichkeitsrechnung. Eine Abweichung von nur 0,5 m/s kann die Jahresproduktion um 15–25% verändern und die Amortisationszeit um mehrere Jahre verschieben. Deshalb lohnt es sich, diese Zahl sorgfältig zu ermitteln — bevor man investiert.

Option 1: Der Global Wind Atlas (kostenlos)

Der Global Wind Atlas der Weltbank und DTU (Dänische Technische Universität) ist das beste kostenlose Tool für eine erste Standorteinschätzung. Er zeigt mittlere Windgeschwindigkeiten für jeden Punkt der Erde — in verschiedenen Höhen (10 m, 50 m, 100 m, 150 m, 200 m).

1

globalwindatlas.info aufrufen

Keine Registrierung nötig. Einfach die Seite öffnen.

2

Standort suchen

Geben Sie Ihre Adresse oder PLZ in die Suchmaske ein. Oder klicken Sie direkt auf die Karte.

3

Höhe auswählen

Wählen Sie 50 m als Ausgangspunkt. Kleine Windanlagen haben Nabenhöhen von 10–25 m — für unseren Zweck können wir grob interpolieren.

4

Wert ablesen und korrigieren

Der angezeigte Wert gilt für offenes Gelände. Im Außenbereich ohne Hindernisse: Wert wie angegeben nutzen. Bei Bäumen oder Gebäuden in der Nähe: 10–20% abziehen.

Typische Windgeschwindigkeiten in Deutschland (50 m Höhe)

Norddeutsche Küste (SH, HH, NI-Küste)6,0–7,5 m/s
Binnenland Norddeutschland4,5–5,5 m/s
Mittelgebirgslagen (Eifel, Harz, Schwarzwald)5,0–6,5 m/s
Binnenland Süddeutschland (Bayern, BW)3,5–4,5 m/s
Alpennähe (Föhnlagen)4,0–5,5 m/s (sehr variabel)

💡 Daumenregel: Unter 4,0 m/s mittlerer Windgeschwindigkeit an Ihrem Standort (in Nabenhöhe) ist eine Kleinwindanlage in Deutschland wirtschaftlich kaum sinnvoll. Ab 4,5 m/s wird es interessant, ab 5,0 m/s gut.

Option 2: Professionelle Windmessung

Für Investitionen über 50.000 € empfehlen wir zusätzlich eine professionelle Windmessung vor Ort. Dabei wird für mindestens 3–6 Monate ein Anemometer auf einem Mast in Nabenhöhe installiert. Kosten: ca. 3.000–8.000 € je nach Aufwand.

Der Vorteil: Die Daten sind standortspezifisch, berücksichtigen lokale Turbulenzen, Hinderniseinflüsse und saisonale Schwankungen. Sie sind auch als Grundlage für Förderanträge und Finanzierungsgespräche belastbarer als Atlas-Daten.

Was der Global Wind Atlas nicht kann

  • Lokale Turbulenzen durch Gebäude, Bäume oder Geländeerhebungen erfassen
  • Kanalisierungseffekte in Tälern oder zwischen Gebäuden zeigen
  • Die genaue Windverteilung in 15 m Höhe (vs. 50 m) präzise wiedergeben
  • Extremereignisse (Sturm, Eislast) standortspezifisch vorhersagen

Für eine erste Einschätzung ist er trotzdem das beste verfügbare Werkzeug — und für Betriebe in windreichen Regionen (SH, NI-Küste, Mittelgebirge) oft ausreichend für eine Investitionsentscheidung.

Wir führen für unsere Kunden eine kostenlose Vorabprüfung mit dem Global Wind Atlas durch und geben Ihnen eine erste Einschätzung des Windpotenzials an Ihrem Standort. Kontaktieren Sie uns.